Kinderhilfe Afghanistan

Afghanistan

 

Ein Volk braucht Verständnis und Hilfe

10.Mai 2005, 08:57 Uhr

Nordhausen (nnz). Man kann und sollte es genauer definieren: Die Kinder in Afghanistan brauchen Hilfe. Und die Menschen Verständnis. Das ist das eigentliche Fazit einer Veranstaltung in der Reihe „Nordhäuser Gespräche“, die gestern im Bürgersaal des neuen Nordhäuser Rathauses stattfand und Thema des folgenden nnz-Berichtes ist.


v.r.: Erös, Zeh, Schulze Bei der Ankündigung dieses Vortragsabends zu Afghanistan im Rahmen der „Nordhäuser Gespräche“ der Konrad-Adenauer-
Stiftung e.V. (KAS) mag sich mancher Interessent dieser Vortragsreihe gefragt haben, was Nordhausen mit Afghanistan zu tun hat. Immerhin mag sich mancher Bürger, der an der Veranstaltung teilnahm, an die Aussage von Verteidigungsminister Struck erinnert haben: „Die Freiheit der Bundesrepublik Deutschland wird (auch) am Hindukusch verteidigt“. Und das in der Hoffnung, dass der Referent des Abends, Dr. Reinhard Erös, die Begründung zu dieser Aussage liefern würde. Das allerdings stellte nicht das Hauptanliegen des ehemaligen Oberstarztes der Bundeswehr dar, der sich seit 1986 als Arzt außerordentlich in Afghanistan engagiert. Mit seiner Frau gründete er 1998 die Organisation „Kinderhilfe Afghanistan“, die vor allem in abgelegenen Regionen des Landes Schulen baut und dort auch um die soziale Infrastruktur bemüht ist. Sein Anliegen ist es, mit seinen Vorträgen Verständnis für dieses Land und seine Menschen zu wecken und zu vertiefen. Und für seine Hilfsorganisation am Hindukusch Gelder zu sammeln, um ohne staatliche Zuwendungen und damit ohne eine damit verbundene Einflussnahme den Zweck seiner Organisation verwirklichen zu können.

Zusammenhänge und Hintergründe erläuterte Dr. Erös in einem hochinteressanten fast zweistündigen Vortrag, in dem die Besetzung des Landes durch russische Truppen, militärische Verläufe, das Talibanregime und schließlich die seit 2002 im Lande wirkende Staatengemeinschaft, vor allem die NATO, in dem Bemühen, Afghanistan zu stabilisieren, den roten Faden des Themas darstellte. Die damit zusammenhängenden (militär-)politischen Vorgehensweisen, Absichten und Probleme sollen hier nicht weiter erörtert werden, weil der absolut authentisch wirkende Referent einerseits schlüssig argumentierte, andererseits aber die Art und Weise auch des deutschen Engagements, deren Politik in Afghanistan, aber auch die Glaubwürdigkeit offizieller Erklärungen und Medienberichte in mancher Hinsicht in Frage stellte. Dr. Erös bemühte sich allerdings auch, die Schwierigkeiten aufzuzeigen, die sich mit dem Engagement der erwähnten Staatengemeinschaft im Lande verbinden. Dazu gehört z.B. der Umstand, dass es sich bei den Afghanen um ein Volk handelt, dessen Lebensauffassung zwei Schwerpunkte kennt: seine Würde und die Kalaschnikow.

Ein Volk, das arm ist aber eine traditionelle Lebensauffassung und –haltung zeigt, die anerkannt werden will. 27 Volksgruppen zählt das Land, das eineinhalb mal größer als Deutschland ist und innerhalb dieser Volksgruppen verschiedene Sprachen spricht. Als Autor eines Buch mit dem Titel „Tee mit dem Teufel – als Militärarzt in Afghanistan“ schildert Dr. Erös alle diese und die weiteren, damit verbundenen Umstände. Und demgegenüber diese Staatengemeinschaft mit Militärs, die weder die Lebenseinstellung der dortigen Menschen, noch deren Sprache verstehen. Unter deren Stabilisierungsbemühungen sich ein Tummelplatz für entwicklungspolitische Agenturen entwickelt hat, die sich nicht selten bei näherem Hinsehen als Warlords und Opium-„Barone“ entpuppen, die Interessen verfolgen, die dem Land oft eher schaden als nützen.

Um wenigstens den Kindern und Jugendlichen Afghanistans effektiv und langfristig helfen zu können und ihnen in ihrem Land eine friedliche und prosperierende Zukunft zu ermöglichen, gründete Dr. Erös mit seiner Frau das erwähnte Hilfeprogramm und bemüht sich, mit Vortragsreihen, dem Erlös des Buchverkaufs und anderen Appellen, Gelder für diese „Kinderhilfe Afghanistan“ zu sammeln.

Die Dauer seines aufschlussreichen Vortrags ließ eine längere Diskussion nicht mehr zu, obwohl eigentlich Bedarf dazu bestanden haben dürfte. Thüringens Sozialminister Dr. Klaus Zeh der als Gesprächspartner teilnahm, konnte schließlich Dr. Reinhard Erös auch nur noch kurz Dank sagen und weiteren Erfolg wünschen.

Im Bild (von rechts): Dr. Reinhard Erös, Dr. Klaus Zeh, Dr. Andreas Schulze (KAS) (js)

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