Kinderhilfe Afghanistan

Afghanistan

Donaupost vom 7.11.2005

Licht zwischen Zerstörung und Trümmern: „Kinderhilfe Afghanistan“ hilft im Erdbebengebiet – bereits 1500 Familien unterstützt

Regensburg. In der Nacht zum Sonntag ist Dr. Reinhard Erös, Bundeswehrarzt aus Mintraching aus dem Erdbebengebiet um Balakot/Pakistan zurückgekehrt. Dank großartiger Unterstützung aus der Oberpfalz in den vergangenen Wochen konnte die „Kinderhilfe Afghanistan“ bereits über 1500 Familien in dem völlig zerstörten Gebiet helfen, teilte Dr. Erös unserer Zeitung mit.
Durch den nahenden Winter drohe zusätzlich der Tod durch Erfrieren und Verhungern für die Überlebenden, denn es fehlt am allernotwendigsten, sagte Erös. Balakot, eine Stadt zehn Kilometer von der Grenze zu Kashmir entfernt, existiert praktisch nicht mehr. Sie liegt direkt im Epizentrum des verheerenden Erdbebens vom 8. Oktober, das allein in Balakot über 14000 Todesopfer forderte. In der einst 80000 Einwohner zählenden Stadt sind 99 Prozent aller Häuser zerstört, berichtet Dr. Erös. Hunderte Tote werden noch unter den Trümmern vermutet. Dr. Erös war in der vergangenen Woche erneut persönlich in der völlig zerstörten in Balakot. Der frühere Bundeswehrarzt hatte das Erdbeben selbst miterlebt – in einem Haus nur 125 Kilometer vom Epizentrum entfernt (wir berichteten). Sofort startete er mit seinen Mitarbeitern eine Hilfsaktion in der pakistanischen Grenzprovinz Abbottabad, in der hunderte Dörfer zerstört sind. Geographischer Schwerpunkt der Hilfsleistungen ist das unmittelbare Epizentrum, das Gebiet zwischen Muzafarrabad und Balakot an der Indisch-Pakistanischen Grenze in einer Höhe von 1500 Meter über den Meeresspiegel. Von den Bergdörfern der Umgebung strömen tausende Menschen aus ihren zerstörten Häusern nach Balakot. Dort hat die pakistanische Armee inzwischen Zeltdörfer für die Flüchtlinge errichtet.

Auffanglager errichtet

Die „Kinderhilfe Afghanistan“ hat in enger Abstimmung mit den zuständigen pakistanischen Behörden und der pakistanischen Armee im Raum Balakot eine Auffangstation errichtet. Bereits am Tag und den Folgetagen des Bebens wurden 500 Familien mit Lebensmitteln, Medikamenten und Bargeld unterstützt. Dort werden vor allem Frauen und Kinder mit Winterbekleidung und festen Schuhen versorgt. Familien erhalten Lebensmittelpakete mit Reis, getrocknete Erbsen, Speiseöl, Tee, Zucker, Brennspiritus und Bargeld (100 Eruo pro Familie). Seit dem Beben konnten cirka 1500 Familien – das sind cirka 12000 Menschen – versorgt werden. Die Kinderhilfe Afghanistan ist eine private Initiative der Regensburger Familie Dr. Reinhard und Annette Erös und ihrer fünf Kinder Veit, Urs, Welf und der Zwillinge Cosima und Veda. Die Organisation wurde 1998 gegründet und unterstützt afghanische Kinder und Frauen in Pakistan und Afghanistan mit medizinischen und schulischen Einrichtungen. Der Bundeswehrarzt Dr. Erös hat über zwanzig Jahren Erfahrung im Bereich humanitärer und Katastrophenhilfe in Indien, Bangladesch, Kambodscha, Pakistan, Afghanistan, Iran, Albanien, Ruanda und Ost-Timor mit UNO, NATO und Internationalen Hilfsorganisationen. Dr. Erös engagiert sich seit 1985 in und für Afghanistan. 1987 hatte sich er für mehrere Jahre von der Bundeswehr ohne Geldbezüge beurlauben lassen und lebte mit seiner Frau und seinen vier Söhnen bis Ende 1990 in der afghanisch-pakistanischen Grenzstadt Peschawar.

Redaktion: Donau-Post am 07. November 2005, 17:06:00

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