Kinderhilfe Afghanistan

Afghanistan


Opfer im "Opium-Krieg"?

Trauer um Afghanistans
hingerichteten Vizepräsidenten erreicht Oberpfalz

Von Franz Witt

Kabul/Regensburg. Die Trauer nach dem Mord an Vizepräsident Hadschi Abdul Kadir ist in Afghanistan groß. Doch sie erreicht auch die Oberpfalz: Dr. Reinhard Erös - seit Jahren sammelt er Spenden für die "Kinderhilfe Afghanistan" - war seit Jahrzehnten mit dem Mann befreundet, auf den die Regierung Karsai so große Hoffnungen setzte.

Und der Stiftländer, der jetzt in Mintraching wohnt, fand in Kadir einen "engagierten Mitstreiter für unser Projekt ,Schulen statt Opiumanbau'. Bei den Gesprächen mit den Bürgermeistern der Dörfer in der Provinz Nangahar hat er mich begleitet." Allein in diesem Jahr habe er Kadir drei Mal getroffen, zuletzt im Juni. Beim Aufbau der Mädchenschulen, die unter den Taliban jahrelang geschlossen waren, habe er jede Unterstützung bekommen: "Im März hat Kadir zusammen mit mir die größte Mädchenschule Afghanistans in Dschalalabad eröffnet. Gebaut und ausgestattet ist sie mit dem Geld Oberpfälzer Schulkinder."

Shura (Versammlung der Dorfältesten) in Tora Bora im Mai. Damaliger Gouverneur Hadschi Abdul Kadir rechts neben Dr. Erös (Mitte).

Die Freundschaft zu Abdul Kadir begann in den Kriegsjahren, als Afghanen gegen die russische Besatzungsmacht kämpften. "Damals in den 80er Jahren", so erzählt Erös, "war dessen Bruder Abdul Haq einer der führenden Kommandanten der rebellierenden Afghanen - und mein Patient. Später kämpfte Haq gegen die Taliban. Während der amerikanischen Offensive fiel er im Oktober 2001 in die Hände seiner Feinde, wurde von den Taliban gefoltert und ermordet."

Gestern wurde Kadir neben dem Grab seines Bruders in Dschalalabad zur letzten Ruhe gebettet. Rufe nach Rache wurden laut.

Die Hintergründe des Attentats sind unklar. Ob Kadir ein Opfer im schwelenden "Opium-Krieg" geworden ist? Erös will sich nicht festlegen: "Doch es geht hier um dreistellige Millionenbeträge. Und Kadir war ein entschiedener Befürworter des Anti-Opium-Projektes." Die Art der Hinrichtung erinnert ans Chicago der 20er Jahre: Zwei Unbekannte eröffneten mit Maschinenpistolen das Feuer auf Kadirs Auto. Der Minister und sein Fahrer wurden tödlich getroffen. Die weiß gekleideten Täter entkamen in einem wartenden Fluchtfahrzeug.      

 Quelle: Donaukurier vom 10.7.2002
                                                                                           

Hadschi Abdul Kadir (1955 - 2002)

Mit ihm verlor die Kinderhilfe Afghanistan einen zuverlässigen Freund und engagierten Mitstreiter.

Kadir war neben Karsai der prominenteste Paschtune in der afghanischen Regierung. Er war von der Loja Dschirga gewählt worden und galt als Vertrauter Karsais.

Während der sowjetischen Besatzung hatte Kadir als Mudschaheddin für die Unabhängigkeit Afghanistans gekämpft. Als die Taliban an die Macht kamen, schloss er sich der Nordallianz an.

In der Regierung Karsai galt er als Vermittler zwischen den Paschtunen und der Nordallianz.

Hadschi Abdul Kadir (zweiter von links) mit Dr. Erös (vierter von links) auf der Eröffnungsfeier der Schule von Dschalalabad.

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