Kinderhilfe Afghanistan

Afghanistan

 

Lieblingsbuch von Ferdinand Corsten

Panorama des Fremden

(Quelle: Badische Zeitung vom 2. Oktober 2004 )

Kundus, Herat, Faiserbad, Paschtunen, Hazara, Tadschiken - diese Städte und Volksbezeichnungen sind inzwischen jedem Zeitungsleser und jeder Fernsehzuschauerin geläufig: Afghanistan bietet seit Jahren Stoff für die Nachrichten. Was aber steckt hinter den nackten Tatsachen, den ausschnitthaften Bildern? Wie sieht der Alltag der Menschen aus? Was bewegt sie? Was sind ihre Bedürfnisse? Antworten auf solche Fragen hat Ferdinand Corsten in Reinhard Erös' 2002 unter dem Titel "Tee mit dem Teufel" veröffentlichten Berichten gefunden. "Das Buch bietet Hintergründe zu den aktuellen Nachrichten", sagt der Kreisgeschäftsführer der CDU - und viel mehr.

Reinhard Erös, "ein bayrischer Urtyp" wie der Spiegel einst befand und Arzt bei der Bundeswehr im Offiziersrang, ließ sich 1987 vom Dienst freistellen, um eine Hilfsorganisation für Afghanistan zu leiten. Mit seiner Frau und vier Kindern übersiedelte er von München nach Peschawar. Die Stadt in Pakistan wird zur Basisstation und dort baut er auch eine Mädchenschule auf. Erös erlebt aber auch die Angriffe der Sowjets auf die afghanistanische Zivilbevölkerung hautnah und oft ohne helfen zu können.

Das Buch schildere in "Schlaglichtern" die Entwicklung des Soldaten zum Grenzgänger zwischen Orient und Okzident und zu einem Helfer, der im Alleingang und ohne große Organisation im Rücken ein Hilfsnetz aufbaut. Es beginnt mit den politisch schwierigen Anfängen in den 80er-Jahren als sich Erös nur nach einer Intervention des damaligen Verteidigungsministers Volker Rühe in dem Krisengebiet engagieren durfte und endet bei den aktuellen Bestrebungen, Afghanistan auf die Beine zu helfen.
Erös erzähle dabei aber nicht primär aus einem politischen, sondern vor allem aus einem humanitären Blickwinkel - und biete doch eine höchst spannende Lektüre. Einzelne Passagen lesen sich wie ein Abenteuerroman. Es gibt "atemberaubende Kapitel", sagt Ferdinand Corsten - etwa das von den illegalen Übertritten in das sowjetisch besetzte Afghanistan oder die Begegnungen mit den Bürgermeistern (Khans) und den Versuchen, diese davon zu überzeugen, dass sie auch Mädchen in die Schule schicken. Andere dokumentieren die Schwierigkeiten der menschlichen Annäherung, die vor allem dann leicht war, wenn er helfen konnte: Zum Beispiel als Arzt bei der Geburt eines Kindes; war das dann noch ein Sohn, war das Spiel zwar gewonnen, aber zugleich der erschütternde Patriarchalismus dieser Gesellschaft erfasst. Anderes liest sich wie ein Krimi - etwa die Passagen, die schildern wie er als Arzt unter Spionageverdacht gerät. Unter dem Strich zeige Erös, der inzwischen auch interkulturelle Kommunikation bei der Bundeswehr lehrt, wie eine "Kultur sensible" Hilfe aussehen kann; eine Hilfe, die "nicht Europa exportiert", sondern eine Gesellschaft da abholt, wo sie steht. Ein Modell mit Zukunft", begeistert sich Ferdinand Corsten für diesen Ansatz und dieses Panorama eines uns fremden Afghanistan.
Michael Baas

Ferdinand Corsten ist CDU-Kreisgeschäftsführer in Lörrach

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