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Afghanistan

1979 – 1989 Überfall und Krieg der Sowjetunion gegen Afghanistan
1989 – 2001 Bürgerkrieg und Taliban
Seit Oktober 2001 - Der Krieg der „Anti-Terror-Allianz“
Seit Januar 2002 – Interimsregierung und Wiederaufbau
Die Zerstörung der Landwirtschaft
Schlafmohn-Opium-Heroin: die Wiedergeburt einer Geisel
Die medizinische Versorgung
Die Minen
Die Flucht

Die Zerstörung der Landwirtschaft
Afghanistan ist vorwiegend dörflich strukturiert und seit Jahrhunderten ein armes Agrarland. Nennenswerte Bodenschätze wie Erdöl, Erdgas, Diamanten oder Gold gibt es dort nicht.
Durch den über zwanzig Jahre andauernden Krieg (1979 - 2001) wurde ein Drittel der Felder durch gezieltes Bombardieren der "Karezze" ausgetrocknet und damit unfruchtbar. "Karezze" sind die schon sehr alten, aber hocheffektiven, typisch afghanischen Bewässerungsanlagen. Außerdem zerstörten Napalm, Minen und Blindgänger viel Land oder machten es bis heute unpassierbar.
Während des Taliban - Regimes fiel vier lange Jahre (1998 - 2001) in vielen Regionen Afghanistans kein Regen. Dort sind die Felder seither verkarstet, und ein Anbau von Feldfrüchten ist unmöglich geworden.
Der Wiederaufbau der Bewässerungsanlagen und das Entminen der Felder kommen nur mühsam voran. Überlebenswichtiges Saatgut fehlt. Hunderttausende Menschen in vielen Landstrichen hungern. Unzählige Kinder sind unter- und fehlernährt.
Das ist der wesentliche Grund, weshalb die Bauern auf den reduzierten Anbauflächen jetzt wieder Schlafmohn anbauen. Mit dem Anbau von Mohn und dem Verkauf von Opium erzielen sie einen Betrag, der das Überleben ihrer Familien sicherstellt. Dieser Teufelskreis muss unterbrochen werden.

Schlafmohn - Opium - Heroin: die Wiedergeburt einer Geisel

Der Anbau von Schlafmohn, papaver somniferum, ist in einigen Regionen Afghanistans seit Jahrhunderten bekannt. Der Mohnsaft wurde in der Vergangenheit zu Rohopium verarbeitet und als Medizin (Schmerzmittel, Medikament gegen Durchfall etc.) eingesetzt. Einen Missbrauch im Sinne von "Drogenabhängigkeit" verbot über Jahrhunderte schon der Islam.
Erst während des Krieges gegen die sowjetische Besatzungsmacht (1979 - 1989) entstanden in den Grenzgebieten zum Iran und zu Pakistan "Heroin-Produktionsstätten", geheime Drogenlabors, in denen aus dem Rohopium das Rauschgift "Heroin" destilliert wurde. Die Anleitung hierzu - politisch und technisch - kam aus dem Ausland. Der pakistanische Geheimdienst und die CIA förderten die Produktion von Heroin, um mit dem Gewinn aus diesem verbrecherischen Geschäft Waffen und anderes Kriegsgerät zu beschaffen, mit denen man den Befreiungskampf der Afghanen gegen die Besatzungsmacht Sowjetunion förderte.
Das Heroin wurde auch an die sowjetischen Soldaten verkauft oder gegen Waffen und Munition eingetauscht. Über Hunderttausend junger Sowjetsoldaten, fast alle Wehrpflichtige, die z.T. gegen ihren Willen nach Afghanistan geschickt worden waren, kehrten als körperlich und seelisch zerstörte "junkies" in die UdSSR zurück, ähnlich den GI`s der USA, die Jahre zuvor drogenabhängig aus dem Vietnam-Krieg heimgekehrt waren. Auch auf diesem Feld gelang es den USA erfolgreich, dem "Reich des Bösen" ein "sowjetisches Vietnam" zu bereiten.
Reich wurden bei diesem "Geschäft" nicht die afghanischen Bauern, sondern vorwiegend politisch Mächtige in den beiden Nachbarländern. Dieser Reichtum ist jetzt auch "optisch" zu erkennen in den pakistanischen Grenzstädten Peschawar, Quetta u.a., wo Luxusgeschäfte und Villenvororte aus dem Boden schossen.
Man hatte "Blut" geleckt und wollte auf dieses traumhafte Geschäft auch in Zukunft nicht verzichten.
Der Anbau von Schlafmohn steigerte sich noch nach dem Abzug der Sowjetarmee. Alle Versuche der UN-Antidrogenbehörde UNDCP, den Anbau von Mohn und die Produktion von Heroin einzudämmen, scheiterten.
Während des Taliban - Regimes wurde der Anbau von Schlafmohn für zwei Jahre (1999 und 2000) auf Befehl des religiösen Oberhauptes der Taliban, Mullah Omar, verboten und dieses Verbot wurde auch durchgesetzt. Die Preise für Heroin in den Absatzländern stiegen dadurch an und die Gewinne der Dogen-Mafia erlitten keinen nennenswerten "Schaden".
Seit Beginn des Krieges der USA und ihrer Verbündeten gegen Taliban und Al Quaida in Afghanistan (Oktober 2001) und insbesondere nach der Regierungsübernahme durch Hamid Karzai (2002) steigt der Anbau von Schlafmohn weiter an. Nicht nur in den "klassischen" Drogenprovinzen Helmand und Nangahar, sondern zunehmend auch in den Nordprovinzen.
Im Jahr 2002 wurden ca. 3400 Tonnen Rohopium gewonnen; das entspricht einer Heroinmenge von ca. 350 Tonnen! Afghanistan steht damit wieder an der Spitze der Heroinproduzenten weltweit. Die zwar mutigen und ehrenvollen, im Ergebnis aber sehr bescheidenen Versuche der Regierung Karzai, den Anbau von Schlafmohn zu verbieten oder zumindest einzuschränken schlugen fehl. Die politische Ohnmacht der Regierung in Kabul zeigt sich auf diesem Feld besonders drastisch. Das Fehlen durchsetzungsfähiger Exekutiv-Organe, das allem Anschein nach geringe Interesse der USA an einer wirkungsvollen Bekämpfung dieses "Feindes", der unvorstellbar hohe Gewinn aus diesem Geschäft (ca. 10 Milliarden Dollar pro Jahr!), und die politische Macht der "Drogenbosse" innerhalb und außerhalb Afghanistans lässt leider auch in den nächsten Jahren nicht erwarten, dass diese Geisel Heroin wirkungsvoll eingedämmt wird.
Wenn die Macht der Drogenbarone nicht zerschlagen und der Schlafmohnanbau nicht eingedämmt wird, kommt Afghanistan nicht zur Ruhe und wird der Aufbau eines demokratischen und rechtsstaatlichen Landes unmöglich.  

Die medizinische Versorgung

Die medizinische Versorgung im Land ist katastrophal. Über Jahrzehnte wurden keine Impfprogramme für Kinder durchgeführt. Hochwertige und wirkungsvolle Medikamente sind kaum erhältlich, und minderwertige Medikamente werden auf den Basaren nur gegen teures Geld verkauft. Der „durchschnittliche“ Afghanen kann sich selbst diese billigen Produkte nicht leisten. Ein funktionierendes und breit gefächertes Basisgesundheitssystem existiert nicht, die wenigen Krankenhäuser sind miserabel ausgestattet. Weibliche Ärzte und Krankenschwestern – unter den Taliban von der medizinischen Arbeit weitgehend ausgeschlossen und daher zu Tausenden ins Ausland geflohen – kehren erst in geringer Zahl nach Afghanistan zurück.Gravierende Unter- und Fehlernährung und der Mangel an Medikamenten und medizinischem Personal haben dazu geführt, dass die Kindersterblichkeit in Afghanistan mit ca. 25 % derzeit die höchste weltweit. (weiter)


Verkarstete Felder und abgeholzte Wälder Verkarstete Felder und abgeholzte Wälder im Gebirge von Kunar

Terrassenanbau - teilweise zerstörtLandwirtschaftlicher Anbau auf Terrassen (teilweise zerstört) in den Bergen von Nangahar

Mohn
Bauer in der Provinz Nangahar in seinem "blühenden" Schlafmohnfeld (Mai 2003)

Mohn
Mit einem speziellen Schneidegerät wird der Schlafmohnkopf geritzt. Dabei tritt eine weißliche Flüssigkeit aus. Diese wird über Nacht am Kopf belassen und verfestigt sich

Mohn
Über Nacht verfestigt sich die Flüssigkeit und wird zu bräunlich zähem Roh-Opium. Dieses Rohopium wird mit einem Metallschaber abgekratzt und zu melonengroßen Klumpen verformt. Auf regionalen Basaren verkauft der Bauer meist auf Vorbestellung das Rohopium. das durchschnittliche Einkommen eines "Opium-Bauern" in Nangahar beträgt ca. € 1.500.- im Jahr. ein vergleichsweise hoher Verdienst (ein Hochschullehrer der Universität von Nangahar verdient etwa die Hälfte)

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